Basel III: Krisensicher oder überreguliert?
Das Ziel, den Bankensektor krisensicherer zu machen, ist richtig. Darin stimmten auch die Teilnehmer einer Diskussion beim Kongress Länderrisiken überein. Wie aber wirkt sich Basel III auf die Unternehmenskunden aus?
Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, diskutierte auf dem Kongress Länderrisiken 2012 über die Vor- und Nachteile von Basel III.
Das Eigenkapital der Banken, insbesondere der deutschen, muss verbessert werden. Konkret: Die Kernkapitalquote muss steigen. Das fordert nicht nur Basel III. Das sehen auch die Banker so. „Das Eigenkapital ist verbesserungsbedürftig - das steht außer Frage“, bestätigte Lothar Meenen, Leiter Trade Finance Deutschland Süd der Deutschen Bank. Die Bankenvertreter waren sich in der Diskussionsrunde einig: Aufgrund verschiedener Faktoren könnte Druck auf die Preise für Kredite entstehen. „Jede Bank hat ihre eigene Position und Strategie im Hinblick auf Markt und Eigenkapital“, sagte Markus Scheer, Mitglied der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank. Das sollten die Kunden beachten.
Nicht nur Markus Scheer erwartet steigenden Wettbewerbsdruck weil Europa die strengen Regeln umsetzt, während die USA eher zögerlich und die Emerging Markets gar weit davon entfernt seien. Dieses Ungleichgewicht beklagte auch Markus Wohlgeschaffen, Head of Global Trade Finance & Services der Unicredit Bank. „Es ist notwendig, diese Staaten einzubinden“, forderte Markus Scheer.
Mittelstand gut finanziert
Aus Sicht der deutschen Kunden ist die Situation derzeit eher komfortabel. „Momentan stellt sich die Finanzierung des Mittelstands gut bis sehr gut dar“, bestätigte Mario Ohoven. Der Präsident des Bundesverbadens mittelständische Wirtschaft (BVMW) ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Mittelstand die Entwicklung der Banken und der Kreditvergabe genau beobachtet. So kritisierte er, dass Banken Kredite an mittelständische Unternehmen in der Eigenkapitalbetrachtung zu stark gewichteten. Sie stellten seit jeher kein gravierendes Risiko dar. Nun würden Kredite aber teurer. Da 80 Prozent der Unternehmen auf Kredite angewiesen seien, um Investitionen, Exporte oder Importe zu finanzieren, würden sie stärker belastet.
Der Mittelstandsvertreter bezweifelt, dass das Finanzsystem tatsächlich sicherer wird. „Kredite an den Mittelstand sind risikoarm, werden aber teurer. Forderungen nach Sicherheiten werden zunehmen. Kreditlaufzeiten werden kürzer, doch wir brauchen auch langfristige Kredite. Staatsanleihen werden begünstigt, sind heute aber oft riskanter“, kritisierte Mario Ohove zusammenfassend.
Übersicherung?
Ein weiteres Problem aus Sicht der Experten: Eventualverbindlichkeiten, Garantien, Bürgschaften und andere Sicherungsinstrumente für Zahlungen werden ebenfalls stärker gewichtet. Ein großer Teil des Außenhandels sei von solchen Absicherungen abhängig, sagte Markus Wohlgeschaffen. Weil diese erfahrungsgemäß risikoarmen Produkte künftig wie echte Kredite bewertet würden, entstehe eine Übersicherung, die den tatsächlichen Marktgegebenheiten nicht entspricht. „Alle so gedeckten Finanzierungen stehen zwar zur Verfügung, die Preise dürften aber steigen“, erwartet Markus Scheer: „Nicht nur wegen des Eigenkapitalthemas, sondern auch wegen der Refinanzierung zwischen den Banken.“
Manfred Haag begrüßt, dass der Blick wieder stärker auf Risiken gerichtet wird: „Wir kommen gerade aus einer Zeit, in der wir meinten, Liquidität stünde unbegrenzt zur Verfügung und die Risiken seien im Nirwana verschwunden“, erinnerte der CEO von Coface Deutschland. „Regulation war nötig, der Regulator hat aber mit der Schrotflinte geschossen und nicht nur die Auslöser der Krise getroffen“, kritisierte er weiterhin. Vertrauen und Berechenbarkeit bildeten aber die Grundvoraussetzungen für größere Stabilität. Ein Ziel – auch für die Kreditversicherer – sollte es daher sein, in mehrjährigen Beziehungen stabilere Preise zu erzielen und so die starken Schwankungen zu nivellieren. „Unternehmen dürfen dann aber auch nicht auf jeden Kampfpreis am Markt anspringen“, unterstrich Moderator Voller Sach, Geschäftsführer des F.A.Z.-Instituts. Manfred Haag möchte die Möglichkeiten der Kreditversicherung weiter zu entwickeln, um den Banken eine echte Eigenkapitalentlastung zu erbringen.
Weitere Informationen zur Exportfinanzierung im Schatten von Basel III finden Sie im ExportManager, einer Publikation des F.A.Z.-Instituts.
Kongress Länderrisiken
Der Kongress Länderrisiken ist eine der führenden Veranstaltungen zum Risikomanagement in Deutschland. Er richtet sich an Risikomanager und Exportverantwortliche kleiner, mittlerer und großer Unternehmen. Zielgruppe sind auch Berater aus Verbänden und Kammern sowie Finanzierungs- und Risikoexperten von Kreditinstituten.
Als Fachforum bietet der Kongress Raum für den Austausch mit Kollegen und renommierten Referenten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Im Fokus der Veranstaltung stehen aktuelle Herausforderungen, Chancen und Perspektiven der deutschen Außenwirtschaft. Dabei werden sowohl globale Entwicklungen beleuchtet als auch in Workshops Perspektiven in einzelnen Märkten diskutiert. Im Ausstellungsbereich laden führende Dienstleister für die Außenwirtschaft zum Gespräch ein.
Der Kongress Länderrisiken findet jährlich in Mainz statt und wird von Coface Deutschland in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut sowie weiteren namhaften Partnern veranstaltet. www.laenderrisiken.de
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Die Zentrale der deutschen Niederlassung ist in Mainz. In Deutschland zählt Coface wie in der Kreditversicherung auch im Factoring zu den führenden Anbietern.
In jedem Quartal veröffentlicht Coface ihre Einschätzung der Länderrisiken für 158 Länder. Dies geschieht auf Basis ihrer genauen Kenntnisse des Zahlungsverhaltens von Unternehmen und der Kompetenz von 350 Kreditprüfern, die nah an den Kunden und deren Debitoren arbeiten.
In Frankreich ist Coface Mandatar für die staatlichen Exportkreditgarantien. Coface ist eine Tochtergesellschaft von Natixis, einer Gesellschaft der Groupe BPCE für Unternehmensfinanzierung, Investment Management und spezielle Finanzservices.
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